Die Norweger – Was Sie über den Norweger wissen sollten

Die meisten Norwegen-Urlauber lockt das überwältigende Naturerlebnis ins Land der ellenlangen Fjordküste. Doch nicht weniger interessant ist es, seine Bewohner kennen zu lernen. Wie die Einheimischen ticken? Das haben uns ein Norweger und seine deutsche Frau verraten.

Norweger sind wahnsinnig stolz auf ihr Land. Selbstredend, dass die Flagge des Königreichs auch bei Familie Landsjöaasen gehisst ist. Wenn auch anders als erwartet. Denn da flattert kein blau-weißes Kreuz auf rotem Grund im Vorgarten ihres Kölner Reihenhauses. Bei Landsjöaasens liegen die Nationalfarben auf der Gästetoilette: Sauber gefaltet und zu einem dreifarbigen Stapel aus kleinen Handtüchern sortiert. Warum auch nicht? „Die Norweger hängen sich ihre Landesfahne ja sogar an den Weihnachtsbaum“, erzählen Erik und Barbara Landsjöaasen.

Barbara stammt selbst nicht aus Norwegen, ist aber seit 1966 mit einem echten Norweger verheiratet. Erik ist in Oslo geboren und aufgewachsen. Mit den Besonderheiten seiner Landsleute kennen sich beide gut aus. Und wie sind die Norweger so? „Sehr von sich eingenommen“, berichten sie. „Sie sind ein bisschen Wichtigtuer und kämpfen stark darum, von der Welt wahrgenommen zu werden“, sagt Erik. „Also sag bloß nichts gegen Norwegen. Da reagiere ich empfindlich“, setzt er nach und grinst. Die Norweger wissen um ihren ausgeprägten Nationalstolz. „Manchmal nehmen sie sich damit selbst auf den Arm. Das finde ich sympathisch“, erklärt Barbara.

Norwegen punktet mit hoher Lebensqualität

„Es ist aber auch bemerkenswert, was fast fünf Millionen Männer und Frauen geschafft haben“, findet Erik. Geschafft haben sie es ganz aktuell auf Platz eins im UNO-Ranking, das die Lebensqualität in 182 Staaten vergleicht. Für „lille Norge“, das kleine Norwegen, ist die internationale Top-Platzierung und damit verbundene Aufmerksamkeit etwas Besonderes. „Norwegen hat oft im Schatten gestanden, auch innerhalb Skandinaviens“, sagt Barbara. Über viele Jahrhunderte haben immer wechselnde Vorherrschaften und Zwangsunionen mit den skandinavischen Nachbarländern das norwegische Volk geprägt. „Mal war Norwegen unter der Knute der Dänen, dann wieder der Schweden.“ Erst 1905 konnten sich die Norweger von den Schweden lösen und zu einem unabhängigen Staat werden.

Die Spannungen zwischen den Norwegern und ihren schwedischen Nachbarn sind bis heute ganz erheblich. „Die Schweden sind in vielen Bereichen führend, nehmen in Skandinavien eine Vorreiterrolle ein und treten auch so auf“, erklärt Barbara. Bei den zurückhaltenden Norwegern, die es nicht mögen, wenn sich jemand in den Vordergrund spielt, kommt dieses Benehmen schlecht an. Witze über die ungeliebten Nachbarn kennt in Norwegen deshalb jedes Kind. Logisch, dass auch Erik einen parat hat: „Treffen sich ein Norweger und ein Schwede im Auto auf enger Straße. Sagt der Schwede: Für einen Idioten mache ich den Weg nicht frei. Sagt der Norweger: Aber ich!“

Zu gern macht man sich über den „großen Bruder“ lustig. Neid spielt eine entscheidende Rolle: Schweden hat Ericsson, Volvo und H&M. Finnland hat Nokia und Stora Enso. Dänemark immerhin Carlsberg. Und Norwegen? „Wir hatten uns als Schifffahrtsnation einen Namen gemacht“, sagt Erik. „Und wir haben Öl.“ Und das nicht zu knapp: Der Schatz aus der Nordsee sichert Norwegen seit Jahrzehnten üppige Staatseinnahmen und großen Wohlstand. Darauf wiederum sind die Schweden neidisch und so kennt jedes schwedische Kind auch ein paar Norweger-Witze.

Norweger denken fortschrittlich

Die Norweger sind nicht nur reich. Sie sind auch fortschrittlich und denken in gesellschaftspolitischen Dingen sehr modern. Nach den Finninnen waren die norwegischen Frauen die ersten in Europa, denen ein Wahlrecht zugesprochen wurde. Heute sind ein Drittel der Abgeordneten im norwegischen Parlament weiblich. Und seit zwei Jahren gilt eine Frauenquote auch für die Besetzung der Aufsichtsräte norwegischer Unternehmen.

Gleichberechtigung wird in Norwegen groß geschrieben. Genauso wie Toleranz. Dieser gelebte Respekt gesellschaftlicher Werte erfüllt die Norweger mit dem gleichen Stolz wie die Heldentaten ihrer Vorfahren: Allen voran Polarforscher Fridtjof Nansen, gefolgt vom Schriftsteller Henrik Ibsen, dem Komponisten Edvard Grieg, Maler Edvard Munch und nicht zu vergessen dem Südpol-Forscher Roald Amundsen.

Kennt man einen dieser berühmten Namen oder besser noch die Helden der Gegenwart, kommt man mit einem Norweger überraschend schnell ins Gespräch. Geht es um Skisport ist von der schweigsamen, zurückhaltenden Art nicht mehr viel übrig. „Wir sind geradezu sportverrückt“, sagt Erik, der selbst kaum zu bremsen ist, wenn es um die Erfolge der norwegischen Ski-Athleten oder die Winterolympiade in Lillehammer geht. „Und wir sind diskussionswütig.“ Eine vielversprechende Kombination, um im nächsten Norwegen-Urlaub nicht nur das Land, sondern auch die Leute kennenzulernen.

Touristen sind willkommen in Norwegen

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Ein Ferienhaus inmitten der Natur

Norweger reisen selbst gern und viel. Ihr Wohlstand ermöglicht ihnen einen Lebensstil, der für die traditionell von Landwirtschaft und Fischfang lebende Gesellschaft nicht erreichbar war: „Die Norweger schätzen Sonne, Wärme und ein günstiges Glas Wein genauso wie wir und sind deshalb immer häufiger per Flugzeug in den Urlaub unterwegs“, erzählt Barbara. Ihr liebstes Ziel ist und bleibt aber das Ferienhaus, „Hytte“ genannt, ob am Meer oder in den Bergen des eigenen Landes. „Ein eigenes Ferienhaus steht ganz oben auf der Wunschliste eines Norwegers“, weiß Erik. Doch wollte man früher zurück zur Natur und mit dem einfachsten auskommen, gönnt sich der Norweger heute gern ein bisschen Komfort zur Naturromantik. „Niemand möchte im Urlaub karger leben als zuhause und so gibt es kaum noch Hytten ohne Strom, Bad und eigener Sauna.“ Während der Drang zur Natur abnimmt, steigt die Bereitschaft, ihre Berge und Fjorde mit Nicht-Norwegern zu teilen. Es gab eine Zeit, in der Ausländer nicht sehr willkommen waren in Norwegen. Neben den Schweden waren vor allem die Deutschen unbeliebt. Fünf Jahre deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg haben bei den Norwegern ihre Spuren hinterlassen. Heute tut Norwegen viel dafür, Touristen ins Land zu ziehen. „Das sieht man an den vielen Werbeanzeigen des norwegischen Fremdenverkehrsamtes und Broschüren in deutschen Zeitungen. Mit tollen Fotos und guten Angeboten versucht man wettzumachen, dass Norwegen als Reiseland teuer und das Wetter unsicher ist“, sagt Barbara.

Wie sich Touristen bei Norwegern beliebt machen können? „Wenn man ein paar Worte norwegisch spricht, kommt das sehr gut an. Das sind die Norweger nicht gewöhnt“, sagt Erik. „Gut ist auch, wenn man ein Fläschchen Wein im Gepäck hat. Alkohol ist in Norwegen sehr teuer“, weiß Barbara. Mit mehr als zwei Flaschen sollten sich Urlauber bei der Einreise aber nicht erwischen lassen. Dies ist eine der wenigen Situationen, in denen die Toleranz der Norweger eine klare Grenze kennt.


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Foto: Erik und Barbara Landsjöaasen, lipalu-ferienhaus.de