Roadtrip auf der E4 – Schwedisches Roadmovie: 850 Kilometer Meerblick

Wer das Land richtig kennenlernen möchte, folgt einfach der Europastraße E4. An Nordschwedens Ostseeküste entlang führt sie von einem Highlight zum nächsten.

Die Faszination Roadtrip kommt aus den USA, wo viele Überlandstrecken hunderte Kilometer lang geradeaus führen und Amerikaner so das ultimative Freiheitsgefühl erleben. In Schweden sind die Dimensionen kleiner, die Straßen winden sich durch Wälder und führen an Seen und Küsten entlang. Wer Lust hat ein Straßenabenteuer zu erleben, wählt dort am besten die Europastraße E4.

Knapp 1.600 Kilometern misst die zweitlängste Europastraße Schwedens insgesamt. Beginnend in Helsingborg schlängelt sie sich quer durch Südschweden bis nach Stockholm und führt ab Gävle 850 Kilometer lang an Schwedens Ostseeküste entlang bis nach Tornio, das die Grenze zwischen Schweden und Finnland kennzeichnet.

Zugegeben, echte Roadmovie-Atmosphäre kommt auf der E45 eher auf, die ebenfalls durch Norrland führt und nach 5000 Kilometern in Sizilien endet. Aber wer Qualität der Quantität vorzieht, ist auf der E4 richtig. Der Blick auf die Ostsee begleitet die Reisenden durch viele schwedische Städte, in denen die meisten Norrländer zuhause sind. Hier findet jeder die passende Atmosphäre für seinen Schwedenurlaub, ob beschaulich oder belebt. Und sollte ein Städtchen nicht gefallen, geht es weiter zum nächsten Ort, wo wieder Neues zu Erkundungstouren einlädt. Übrigens alles weitgehend mückenfrei – die Plagegeister mögen keine Seeluft und ziehen sich in die Wälder zurück.

Eine Auswahl der schönsten Städte Norrlands finden Sie folgend:

Gävle

Furuvikspark

Furuvikspark

Die Hauptstadt der historischen Provinz Gävleborg gilt als Tor nach Norrland – ab hier folgt keine größere Stadt auf dem Weg nach Norden. Einerseits lockt Gävle mit zahlreichen traditionellen Gebäuden, wie der Barockkirche Heliga Trefaldighets Kyrka oder den Holzhäusern aus dem 18. Jahrhundert in der Altstadt Gamla Gefle, in denen sich Künstler und Handwerker niedergelassen haben.

Außerdem wartet Gävle mit einem der größten Einkaufszentren Schwedens namens Valbo auf, mit dem Vergnügungspark nach amerikanischem Vorbild Furuvikspark, sowie einem Museum für Eisenbahnen (Järnvägsmuseum) und sogar einem Gefängnismuseum (Fängelsemuseet).

Das wahre Highlight ist aber das angrenzende Schärengebiet mit 400 Inseln, das zum Wassersport und Sonnenbaden einlädt.

Sundsvall

Stenstaden, Steinstadt, wird Sundsvall gerne auch liebevoll genannt. Liebevoll, weil die aus Stein gebaute Innenstadt eine heimelige Atmosphäre ausstrahl. Nachdem die  sonst üblichen Holzhäuschen bei wiederholten Bränden immer wieder dran glauben musste, entschied man sich für diese eigentlich schweden-untypische Bauweise. In einem ehemaligen Bahnhofsgebäude befindet sich das erste internationale Kasino Schwedens. Kinder freuen sich über einen Besuch im 2010 eröffneten Erlebnisbad Himlabadet oder auf dem Abenteuerpfad bei Södra Stadsberget.

Ins Sundsvall beginnt auch eine 70 Kilometer lange Küstenstraße, die ausgehend von Svartvik zu Norrlands längstem Sandstrand führen. Hier gibt es zahlreiche Angelstellen und Aussichtspunkte mit typisch schwedischen Restaurants. Sogar zwei Golfplätze finden sich nicht unweit der Straße.

Auch im Winterurlaub lohnt sich ein Besuch: Das Freizeitgebiet Sidsjö bietet neben Langlaufspuren durch den Wald und Abfahrtslauf in verschiedenen Schwierigkeitsstufen auch den See Sidsjö zum Schlittschuhlaufen.

Örnsköldsvik

ÖrnsköldsvikGegründet im Jahr 1842 ist „Ö-vik“ eine relativ junge Stadt mit viel moderner Architektur, wie am neu ausgebauten inneren Hafen. Viele Studenten tummeln sich hier, ob von schwedischen Universitäten, die hier Kurse anbieten, oder von der Skisprungschule Schwedens, die hier angesiedelt ist. In Gene Fornby erleben Besucher einen Bauernhof aus dem 6. Jahrhundert, der wie in der Eisenzeit bewirtschaftet wird.

Die buchstäblich größte Attraktion ist aber die nahgelegene „Höga Kusten“, die hohe Küste, die im Jahr 2000 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Jährlich hebt sich der Küstenabschnitt hier um bis zu acht Millimeter. Grund ist der Rückgang von Gletschern vor 9600 Jahren, die jetzt nicht mehr auf die Erdkruste drücken. 300 Meter ist die Küste angestiegen und gleicht jetzt eher einem Fjord. Die Landschaft ist ein Erlebnis und kann am besten auf dem 127 Kilometer langen Wanderweg erlebt werden, von der Örnsköldsvik aus bis zur Mündung des wasserreichsten Flusses Schwedens, dem Ångermanälven. Noch atemberaubender ist höchstens der Seilparcours auf dem 294 Meter hohen Skuleberg.

Umeå

Die Stadt der Birken ist die größte Stadt Nordschwedens und dazu noch ausgesprochen jung. Das Durchschnittsalter beträgt 38 Jahre, jeder vierte Einwohner studiert an einer der beiden Universitäten. Umeå versammelt über vierzig Nationen und Kulturen und wird 2014 gemeinsam mit Riga die Kulturhauptstadt Europas sein, die erste überhaupt, die mit den Samen eine indigene Kultur in den Mittelpunkt stellt.

Hier gibt es neben zahlreichen Restaurants eine lebhafte Musikszene und ein Museum zeitgenössischer visueller Kunst (Bildmuseet). Aber auch die Tradition kann erlebt werden, im Gammlia Friluftsmuseum etwa, einem Dorf aus historischen Bauernhäuser mit Tieren, einer Elchfarm oder dem Käsehaus in Burträsk, wo der in ganz Schweden beliebte Käse Västerbottensost hergestellt wird.

Naturliebhaber können auf Robben- oder Wildvögelexpedition gehen, die Landschaft vom Kanu oder Pferderücken aus erleben, oder nach Lachsen und Forellen angeln. Im Winter gibt es Angebote für Schneemobil- und Hundeschlittentouren.

Piteå und Luleå

Die beiden Städte liegen nur eine Dreiviertelstunde auseinander und verzeichnen mehr Sonnenstunden als jede andere Stadt in Norrland. Zum Baden und entspannen geht es am besten nach Piteå, mit seinen malerischen Holzhäusern aus dem 19. Jahrhundert. Die zahlreiche Sandstrände haben der Stadt den Titel nordische Riviera eingebracht.

In Luleås 750 Schären sind alle Wassersportler gut aufgehoben, sollten sich aber auf Wassertemperaturen unter 20 Grad gefasst machen. Auch im Winter sind zahlreiche Sportarten, wie Eisfischen, Eissegeln oder Langstrecken-Schlittschuhlauf in der Umgebung möglich. Auch kulturell hat Schwedens nördlichste Universitätsstadt etwas zu bieten: Die ursprüngliche Altstadt „Gammelstad kyrkstad“ ist heute ein Unesco-Welterbe. Mehr als 408 kleine Hütten für weit angereiste Kirchengäste scharen sich hier um Norrlands größte mittelalterliche Kirche. Wer es moderner mag, kann im Wissenschaftsmuseum Teknikens Hus selbst Hand anlegen und die Technik erfahren, die nötig ist um einen Stollen zu bohren oder eine Rakete zu starten.


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Titelbild Quelle: Staffan Widstrand/imagebank.sweden.se