Nordschweden

Gar nicht einsam: Schwedens Nordlicht

Der Norden Schwedens ist lange nicht so eisig und öd, wie mancher glaubt. Kühne Berge, klare Seen und kleine Küstenstädte halten einige Abenteuer bereit. Mit den örtlichen Delikatessen sollte man allerdings vorsichtig sein.
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Es gibt wohl wenige Landschaften auf dieser Erde, denen gleich drei Musik-Alben gewidmet sind. Nicht ohne Grund hat sich das schwedische Duo Norrland den nördlichsten Teil ihres Heimatlandes ausgesucht, um sich davon inspirieren zu lassen.

Die Songs des Saxofonisten Jonas Knutsson und des Gitarristen Johan Norberg klingen aber nicht karg und einsam, wie man sich Nordschweden vielleicht vorstellen könnte. Sie klingen so klar wie die Mitternachtssonne und das Nordlicht, so bodenstämmig und schnörkellos wie die uralten Traditionen Västerbottons und ein wenig bittersüß wie reife Moltebeeren.

Die Region Norrland besteht aus fünf Provinzen, sie machen mehr als die Hälfte des schwedischen Staatsgebiets aus. Trotzdem wohnt nur jeder achte Schwede hier, so dass die Gebiete außerhalb der Städte nur dünn besiedelt sind. So manches Kind muss als Schulweg täglich 120 Kilometer zurücklegen. Und richtig mobil ist man selbst in den Städten nur mit einem Auto. Doch das nehmen die Einwohner gerne in Kauf – haben sie so viel Platz für Natur, für Sport und für genug Raum, um entspannt zu sich selbst zu finden. Und nicht zuletzt die Urlauber wissen gerade die Verlassenheit der Ferienhäuser im Norden von Schweden zu schätzen.

Es ist eine Landschaft der Extreme: Im Westen Norrlands befindet sich mit dem Kebnekaise (2.104 Meter) der höchste Berg Schwedens, sowie mit dem Hornovan der tiefste See. 232 Meter misst er bis zu seinem Grund. Im westlichen Norrland ist eines der ältesten Völker der Welt zuhause, die Samen, die sich selbst allerdings als staatenunabhängig ansehen. Nur wenige hundert Kilometer weiter befindet sich ein modernes Weltraumzentrum, von wo aus bald Touristen auf einen Spaziergang in den Kosmos starten. Die Temperaturen schwanken zwischen minus und plus 30 Grad Celsius, und obwohl die Sonne im Winter nicht aufgeht, gehört die Gegend zu den sonnenreichsten Regionen Schwedens.

Urlauber müssen naturverliebt sein, um die Landschaften des westlichen Norrlands zu schätzen. Wer seine Ferien am liebsten abseits von Metropolen und Straßenlärm verbringt, auf verlassenen Pfaden wandert, der findet in Schweden keine bessere Gegend dafür.

Zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis

Im milden Sommer zeigt sich die ungezähmte Rauheit der Region und die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt. Durchschnittliche Mitteleuropäer kennen sie nur aus dem Tierpark: Wölfe, Bären, Luchse, Vielfraße und natürlich Elche. In klaren Gewässern von Trinkwasserqualität leben zahlreiche Lachse und Forellen. Wer wandern, bergsteigen oder skifahren will, findet sein Revier in den Gebirgsmassiven und Bergketten – das Wintersportangebot ist im westlichen Norrland ausgezeichnet.

Im Winter zeigt sich noch ein anderes „Highlight“: Das Nordlicht durchzieht den Himmel fernab von Schwedens hellen Großstädten mit farbenfrohen Schlieren. Die Samen glaubten früher, dass die bunten Funken aus den Fellen der Polarfüchse stammen, die nachts durch Wälder und Tundren jagen. Auf finnisch heißt das Nordlicht bis heute „revontulet“, zu deutsch Fuchsfeuer. In der Deutung der Südschweden sind hingegen die Samen für die Himmelslichter verantwortlich, die funkenstiebend durch die Berge rannten, um ihre Rentiere einzufangen.

Seen oder Gebirge?

Die Pforte nach Lappland

Die Pforte nach Lappland

Wer die besondere Weite Nordschwedens selbst erleben und hier ein Ferienhaus mieten möchte, muss sich zuerst entscheidende Frage stellen: Wo soll die Reise hingehen? Lieber in den Westen zu den Skanden, das schwedische Gebirge in dem die Samen daheim sind, wo die Natur ursprünglich ist und man Bären, Wölfen und natürlich Elchen begegnet?

Oder lieber ein Ferienhaus im seenreichen Skandenvorland in Schweden, das sich besonders gut für ausgedehnte Rad-, Kanu- und Angeltouren eignet und für Familienurlaub in der Natur? Oder doch lieber in den Osten an die Küste, deren Badeorte als Schwedens Sonnenregion gelten und wo es in den zahlreichen Städten an jeder Straßenecke etwas Neues zu entdecken gibt? Norrland bietet viele Möglichkeiten für schönen Urlaub im Ferienhaus und es bedeutet alles andere als ungemütliches Wetter.

Die Pforte nach Lappland

Besonders gut ist das Polarlicht vom Aussichtsberg Nuolja aus zu betrachten. Auf dem Gipfel, der einfach mit einem Sessellift zu erreichen ist, steht die Aurora Sky Station, wohl der beste Ort in ganz Schweden, um die Lichter zu betrachten. Von hier aus haben Besucher einen unverstellten Blick auf „Lapporten“, das Tor Lapplands, einen U-förmigen Einschnitt zwischen zwei Bergen. Beinah sieht es so aus, als würde die Bergkette dem Betrachter zulächeln. Und wenn dieser schon ein paar Tage in Nordschweden verbracht hat, wird der entspannte Besucher mit Sicherheit zurück lächeln.

Kiruna

Kiruna ist der Fläche nach die größte Stadt Schwedens, ebenso die nördlichste und besitzt eine der größten Eisenerzminen der Welt. Sie unterhält die Stadt, so dass die Bevölkerung in den kommenden Jahrzenten immer weiter nach Nordwesten umsiedelt, um Einbrüche zu vermeiden. Kiruna ist ein guter Startpunkt für viele sportliche Aktivitäten und Ausflüge. Unweit liegt der Kebnekaise, mit 2.104 Metern Schwedens höchster Berg, und der zivile Raketenstartplatz Esrange, den man besichtigen kann. In einigen Jahren sollen von hier auch zahlungskräftige Weltraumtouristen ihre Flüge antreten.

Neben einem Wettbewerb für Eisskulpturen findet jeden Winter im Samen-Dorf Jukkasjärvi, das etwa 17 Kilometer von Kiruna entfernt liegt, ein weltweit einzigartiges Spektakel statt: Das Icehotel wird neu vollkommen aus Schnee und Eis gebaut. 60 Hotelzimmer, ausgestattet mit Rentierfellen und Polarschlafsäcken, sowie eine Bar versprechen ein einmalig bizarres Erlebnis bei Minusgraden. Aktivitäten wie Hundeschlitten- oder Schneescooterfahren gehören zum weiteren Angebot Jukkasjärvis.

Nationalparks und Weltkulturerbe Laponia
Als erstes europäisches Land überhaupt erklärte Schweden 1909 Abisko zum Nationalpark. Von den heute 29 schwedischen Nationalparks liegt jeder vierte im westlichen Norrland. Die Landschaft bietet hier vor allem karges Hochgebirge, weitläufige Tundra und Gletscher mit glasklaren Flüssen sowie morastige Hochebenen und Urwälder aus Kiefern und Birken. Zur Fauna gehören zahlreiche Vogelarten, Vielfraße, Polarfüchse, Braunbären und natürlich auch Elche (im Sommer auch hungrige Mückenschwärme). Zum Teil sind die Parks so umfassend geschützt, dass nicht einmal Wanderwege durch die Natur führen, was den Wandersmann dank Jedermannsrecht trotzdem nicht von einem Besuch abhält. Ein fundierter Erfahrungsschatz ist Grundvoraussetzung um sich in diese Wildnis zu wagen.

Die vier Parks Muddus, Padjelanta, Sarek und Stora Sjöfallet haben zusammen eine Fläche von 9.400 Quadratkilometern und bilden , die Heimat der samischen Urbevölkerung. Etwa jeder Zehnte verdient dort seinen Lebenserhalt mit der Rentierzucht. Im Jahr 1996 hat die Unesco die Region zum Weltnatur- sowie Weltkulturerbe erklärt. Wer sich für die uralten Bräuche und Kulturen der Samen interessiert, besucht in Jokkmokk das Museum Ájtte und genießt im Restaurant ÿjtte typisch samische Speisen.

Weitwanderweg Kungsleden
Weitwanderweg Kungsleden

Foto: Alexandre Buisse, imagebank.sweden.se

Der bekannteste Weitwanderweg Schwedens ist der Kungsleden, oder Königspfad. Er gliedert sich in zwei Strecken: 440 Kilometer führt der nördliche Teil von Abisko nach Hemavan, der südliche Abschnitt verläuft auf 350 Kilometern von Sälen nach Storlien. Die nördliche Route ist aufgrund der guten Beschilderung, Ausstattung mit Hütten und einer einfachen Anreise nach Abisko (per Auto über die E10 oder per Nachtzug von Stockholm aus) sehr beliebt und auch von ungeübteren Wanderern zu bezwingen. Auf der nördlichen Strecke kann die Anreise nach Storlien ebenfalls mit dem Zug erfolgen, oder mit einem Überlandbus. Diese Route ist weniger touristisch und die von der „Svenska Turistföreningen“ betreute Hütten liegen manchmal mehr als einen Tagesmarsch auseinander, sodass die Übernachtung in Zelten unvermeidbar ist.

Auf beiden Strecken ist hochwertige Wanderausrüstung, die sich bereits auf Touren bewährt hat, Vorraussetzung, da das Wetter oft umschwingt und es häufig Regenschauer und Hagel gibt.

Sportressort Åre
Åre ist das größte zusammenhängende Skigebiet Schwedens und wohl auch das beliebteste. Es war bereits Gastgeber von zwei Alpinen Skiweltmeisterschaften, zuletzt im Jahr 2007. Mehr als 30 moderne Liftanlagen transportieren jedes Jahr Wintersportler den Berg Åreskutan herauf, wo ihnen insgesamt 91 Abfahrtskilometer zur Verfügung stehen.
Doch der 1.300-Seelen Ort ist nicht nur vom Wintersport dominiert. Im Sommer wird es zum Zentrum für Mountainbiker mit einem eigenen Bikepark, der von Mai bis Mitte Oktober geöffnet ist. Auch findet jedes Jahr die Åre Extreme Challenge statt, ein Multisportevent bestehend aus 25 Kilometer Kajakfahren, 15 Kilometer Laufen und 32 Kilometer Radfahren.
Neben dem Angebot an Hochleistungssport wie Paraskiing und Eisklettern gibt es zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern, Fliegenfischen, Golfen und Reiten. Nicht entgehen sollte man sich außerdem das Samendorf Njarka westlich von Duved, wo auch das Übernachten in traditionellen Samizelten möglich ist.

 

Bei der Delikatesse Surströmming ist Vorsicht geboten

Winter in Norrland

Eine herrliche Aussicht auf Norwegens Berge

Zwar sind die Winter in Norrland länger und kälter als im restlichen Schweden, aber auch trockener, was die hohen Minusgrade den Schrecken nimmt. Die Schneemassen hellen die Polarnächste deutlich auf und sind das Kapital Schwedens wichtigster Wintersportorte Åre und Funäsdalen.

Im Sommer herrschen angenehme 15 Grad, tageweise bis zu 30 Grad und im Hochsommer zwischen Juni und Juli geht die Sonne nicht unter.

Das Einzige, was einem erholsamen Urlaub im Ferienhaus in Norrland im Wege stehen könnte, ist die Delikatesse „Surströmming“, die in Norrland vielerorts hergestellt wird. Die sauren Heringe sind beim Verkaufsstart, alljährlich am dritten Donnerstag im August, bereits mehrere Monate lang in Salzlake vergoren. Urlauber sollten sich vor dem Kauf der durch Gase ausgebeulten Dosen tunlichst hüten. Der Geruch des Inhalts ist so beißend, dass ein Kölner Gericht die fristlose Kündigung einer Mieterin für gültig erklärte, die eine Dose Surströmming in ihrem Treppenhaus geöffnet hatte.

Richtig zubereitet wird aus den Strömlingen doch noch eine wohlschmeckende Speise: zusammen mit süßlichem Tunnbröd, saurer Sahne, roten Zwiebeln, Mandelkartoffeln und Tomaten. Spätestens ein kräftiger Schluck Aquavit macht die Delikatesse auch für deutsche Mägen bekömmlich.

Ferienhäuser in Nordschweden


Titelbild Quelle: Foto: Peter Rosén/Norrlandia, www.imagebank.sweden.se