Die Schweden – Was Sie über den Schweden wissen sollten

Sie leben da, wo Billy-Regale, Köttbullar und Pippi Langstrumpf herkommen: Wer so praktisch veranlagt ist wie die Schweden, der kann nur ein Hobby haben: Picknicken!

Die Schweden? Keine Frage. Die Bewohner des skandinavischen Landes scheinen uns so nah wie kaum ein anderer europäischer Nachbar. Ein guter Freund. In einschlägigen Reiseführern finden sich Informationen zu Land und… kaum zum „Leuten“. Vielleicht ein paar Sätze über die Lebensart der Samen im ganz hohen Norden. Aber über den Schweden im Besonderen und Speziellen? Die Stimmlage ist dank des Sprechers aus dem IKEA-Werbespot vertraut. Die kulinarischen Vorlieben kennen wir dank der beliebten Möbelhaus-Kantine ebenfalls. Das Aussehen entspringt den Helden aus Filmen Astrid Lindgrens, die Gefühlslage und den leichten Hang zur Sozialkritik entnehmen wir den jüngsten Kommissar-Wallander-Folgen. Schweden können nicht Fußball spielen, die Frauen sind blond, gesund und hübsch. Generell sind die Schweden ein kinderliebes Völkchen. Alles klar?

Der Schwede denkt praktisch

Wie sind die Schweden?

Kurt und Monica Jagenberg

Wer nach Schweden reist, wird schnell merken, dass die Realität doch anders ist. Nicht nur, dass Köttbullar und Lachsbrote im Land irgendwie ganz anders schmecken, frischer als im Möbelhaus-Schnellimbiss in der Nähe einer Autobahnausfahrt. Auch die Schweden sind nicht nur blond und nett. Natürlich sind sie zumeist sehr freundlich. sie neigen, obwohl stolz auf sich und ihr Land, eher zum Understatement. „Wir sind nicht misstrauisch, sondern hilfsbereit und freundlich“, sagt Monica Jagenberg, „was aber Gefühle angeht, da halten wir uns erstmal zurück“. Sie muss es wissen: Sie ist selbst Schwedin, lebt allerdings seit vielen Jahren in Deutschland – der Liebe wegen. Unterschiede zwischen den Nationen werden da schon deutlich. „Wir warten, bis wir das Gefühl haben, dass es wirklich eine tiefere Freundschaft werden könnte“, so die Schwedisch-Lehrerin aus Solingen (NRW). Aber dann halte die Beziehung ewig.

Auch dass Schweden ein äußerst praktisches Volk sind, kommt dem deutsche IKEA-Kunde wohl nicht in den Sinn, nachdem er beim Versuch, praktische Wohnungsgegenstände aufzubauen, schon am Inbussschlüssel verzweifelte. Schweden sind zum Beispiel Picknick-verrückt. Ständig und an schönen Plätzen wird ein Stopp eingelegt, um etwas zu essen und zu trinken. Abends werden hierzu gern etwas höher gelegene Plätze angesteuert, um den Sonnenuntergang zu genießen. „Das liegt vielleicht daran, dass es früher in Schweden nicht so viele Restaurants und Cafés gab“, mutmaßt die 76-Jährige. Da habe man sich für unterwegs eben was mitgenommen.

Reisefreudig, freundlich – nordisches Understatement

Auch im Haushalt sei der Schwede praktisch denkend, berichtet sie. Wussten Sie, dass die Türen und Fenster eines schwedischen Hauses nach außen aufgehen? Der Grund ist so naheliegend wie einleuchtend: So können diese geöffnet werden, ohne dass die Fensterbank frei sein muss – oder Gardinen und Vorhänge stören.

Interessant auch, dass die Schweden sehr reisefreudig sind, wie Lehrerin Jagenberg berichtet. Dabei bevorzugen sie eindeutig sonnige Regionen, auch in der Heimat sehen sich die Skandinavier nach einem langen Winter stets nach einem schönen Sommer. „Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen zu sehen, zieht es alle nach draußen“ – und das Land sei ja groß, schiebt sie nach. Sie selbst zieht es mit ihrer Familie seit über 40 Jahren in ihr Ferienhaus an der Westküste Schwedens. Ihren Mann Kurt (83) lernte sie übrigens 1957 beim Mittsommer-Feiern kennen. Sie arbeitet in einem Hotel, er war ein Gast. Wo die Liebe hinfällt – Monica folgte ihm nach Deutschland. Aber in den Ferien ging es mit ihren zwei Söhnen stets nach Skandinavien. Heute stehen die drei Enkelinnen im Mittelpunkt der Familie.

Sie können alles, nur kein Brot backen

Was die Kindererziehung anbelangt sieht Monica Jagenberg ihr Heimatland übrigens deutlich im Vorteil. Man habe früh angefangen, Regelungen zu treffen, dass Männer und Frauen auf dem Arbeitsmarkt gleichberechtigt sind. Das funktioniere mittlerweile recht gut, es gäbe flexibel geöffnete Kindergarten en masse, 15 Monate werde Kindergeld gezahlt. Doch auch wenn alle gleich sind – oder wohl eher sein sollen, dieses Leben ist auch nicht immer einfach, sagt Monica Jagenberg. Nicht nur in Fragen der Emanzipation. Auch soziale Fragen, Unterschiede zwischen Arm und Reich sind viel diskutierte Themen.

Zum Schluss müssen wir dann ein unrühmliches Thema ansprechen. Das schwedische Essen ist rundum gut. Skandinavische Köche stehen immer öfter ganz oben in den kulinarischen Rankings von Gault Millau oder Michelin. Frisch, viel Fisch, wenig Fett – obwohl Schweden gern Pizza essen – alles lecker. Aber das Brot? „Unsere Brotkultur war nie besonders gut“, muss Monica Jagenberg zugeben, Knäckebrot habe es schon immer gegeben – vorrangig zur Konservierung. Aber langsam setze sich die Erkenntnis durch, dass ungesüßte Backwaren und Brot mit echter Kruste auch sehr lecker schmecken können. Viele Deutsche, die länger in Schweden leben und arbeiten, lassen sich hin und wieder von zu Hause echtes Brot schicken. Dafür habe man aber die beste gesalzene Butter in der gesamten EU, sagt Jagenberg: Bregott…

Eine Frage, die mich schon immer interessierte, stelle ich der Expertin ganz zum Schluss: „Gehen Schweden eigentlich auch selbst zu IKEA? „Selbstverständlich“, sagt Frau Jagendberg. Das sei doch alles so praktisch.

„Knäckebrot hat es immer gegeben, aber das war ja eher zur Konservierung“


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Titelbild Quelle: Carolina Romare/imagebank.sweden.se